Die Geburt

 Samstag morgen.. nach dem Frühstück rufe ich beim Krankenhaus an um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich soll laut Frauenarzt Sonntag eingeleitet werden. Die Hebamme am Telefon ist super nett! Ich soll zum CTG vorbei kommen. Nichts wie hin. Nach dem CTG spreche ich mit einer Ärztin. Sie macht einen Ultraschall & untersucht mich. Sie schlägt mir eine Eipollösung vor. Der natürlichste Weg der Einleitung einer Geburt. Ich stimme zu. Angenehm ist es nicht, allerdings gut auszuhalten. Ab nach Hause. Abends gegen 18 Uhr (wir filmen gerade ein YouTube Video) setzen die Wehen ein. Starkes ziehen im unteren Rücken. Schon wirklich Wellenartig. Alle 10 Minuten. Ich muss stehenbleiben und in Ruhe atmen. Um 22 Uhr beschließe ich die Wehen in der Badewanne zu testen. Sie bleiben weiterhin. Die Abstände werden immer kürzer. Zeit, mir endlich eine Wehentracker App herunterzuladen. Okay Wehen alle 4 Minuten. Die App sagt ich solle ins Krankenhaus fahren. Ich entscheide mich zu schlafen. 00:10 Uhr, ich werde von einer Wehe geweckt. Liege wach und messe weiterhin im 3-4 Minuten Takt Wehen. Um 01:00 Uhr rufe ich beim Kreißsaal an. Soll ich kommen? Darf Alex mit hoch? Also fahren wir los. Natürlich erst nachdem wir ausgiebig getrödelt & geduscht haben. Ich wollte schließlich nur so kurz wie möglich im Krankenhaus bleiben. 03:10 Uhr, wir kommen am Krankenhaus an. Ich werde am CTG angeschlossen und untersucht. Muttermund ca 1-2 cm geöffnet. Mir wird ein Zugang gelegt und ich soll um halb 8 wieder zum ctg kommen. Alex und ich holen die Taschen aus dem Auto und er darf mich noch kurz aufs Zimmer begleiten. Dann liegen ich dort alleine. Es ist 05:00 Uhr und ich versuche zu schlafen. Das Baby meine Zimmer Nachbarin weint ununterbrochen. Ich habe Wehen & möchte eigentlich nur nach Hause. Es ist 07:30 Uhr ab zum CTG. Aus einer halben Stunde CTG wurde eine Stunde, ich wurde wohl vergessen. Ich muss einfach nur pipi. Mir wird ein Flüssigkeitstopf gelegt und ich soll noch mal ans CTG. Habe es mir vorher selber abgemacht, weil ich eine Stunde lang trotz rufen & klingeln vergessen wurde. Das 2. CTG ist beendet ca 08:45 Uhr. Schichtwechsel der Ärzte. Vorher hieß es Wehentropf zur Einleitung und die neue Ärztin sagt: auf keinen Fall bei der ersten Geburt, es wäre als wurde man mit Kanonen auf Spatzen schiessen! Ich bin sauer. Jetzt soll ich tagelang hier rumliegen.. im Krankenhaus?! 

Bevor sie mich erneut untersuchen kann muss ich mal wieder pipi. Stehe von der Toilette auf und es fängt an zu laufen. Ohne Vorwarnung, ohne Geräusch. Meine ganze leggins ist nass. Ich stehe da, in meinem Fruchtwasser & suche Tücher um wenigstens im Flur Bescheid geben zu können. Mir kommen die Tränen, so ein elendiges Gefühl. Mit nasser Hose und weinend stehe ich um Flur.. hallo hallo? Da kommt die Ärztin aus ihrem Raum. “Mir ist die Fruchtblase gesprungen” ihre Antwort:”ist doch super”. Wieder CTG. Ich kann schon bald nicht mehr liegen. Auf einmal kommen immer stärkere Wehen. Nach dem CTG bitte ich die Hebamme darum, in mein Zimmer zu gehen und dort etwas zu essen. Geburt auf leeren Magen? Ohne mich! Ich soll um halb 12 wieder zum CTG kommen. Im Zimmer angekommen werden die Wehen immer stärker. Ich muss mich hinstellen und sie veratmen. Ein halbes trockenes Vollkornbrötchen. Meine Zimmer Nachbarin und ihr Mann warten auf die Entlassung & ich veratme Wehe für Wehe. Wieder beim CTG. Anschließende Untersuchung, Muttermund bei 4-5 cm. Mein Mann soll so schnell es geht kommen. 15 Minuten später ist Alex auch da. Endlich! Ich stehe allerdings irgendwie neben mir. Bitte ihn die Vorhänge zuzuziehen und veratme Wehe für Wehe. Ich muss alle 3 Minuten pipi. Und frage nach Schmerzmittel. Mir wird ein Buscopan Tropf angehangen. Beim letzten Mal Pipi kommt irgendwie nichts mehr, außer Wehen. Dann ging alles ganz schnell, Muttermund bei 8 cm. Und plötzlich vollständig (10cm) geöffnet. Die Hebamme (mittlerweile die 2.) sagt der Ärztin Bescheid. Ich liege dort und winde mich im Bett hin und her. Dieses nervige CTG!! Ständig angeschlossen und mit fehlt die Bewegungsfreiheit. Ich werde auf die rechte Seite gezwungen und mein linkes Bein wird auf einer Halterung abgelegt. Das zieht sehr stark! Dann geht es auf den Rücken. Aber ich wollte doch nicht auf dem Rücken liegend gebären! Habe in dem Moment aber ehrlich gesagt nur noch funktioniert. Ich schau die Hebamme an und sage „ich glaube ich muss pressen“. Sie gab mir das ‚Go‘. Irgendwie kam alles total überraschend in dem Moment. Wie feste muss ich wohl pressen? Feste!! So stark wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Mir war soo heiss! Alex hat mir richtig toll Luft zugefächelt und mir immer wieder Wasser gereicht. Immer zwischen den Wehen muss ich einen kleinen Schluck trinken. Mein Mund ist so trocken. Ich fragte die Hebamme wie Ich pressen soll ‚1 mal lang oder 3 mal in einer Wehe‘? Die Wehenpausen wurden länger und es wurde ein Wehentropf (Oxytocin) angehangen. Damit sollte es schneller gehen. Ich merkte die nächsten Wehen. Die Ärztin nahm das Spannbettlaken in die Hand, lehnte sich über meinen Bauch und ich sollte ihren Arm so fest es ging wegdrücken. Die nächste Wehe presste ich wieder alleine. Da war er – der Kopf! Unglaublich! Nun wurde ein Manöver angewandt um die Schultern besser durchs Becken zu manövrieren. Meine Beine wurden ca. 3 mal angewinkelt und gestreckt. Ich presse wieder und da war sie. Ich habe das Gefühl ‚in einen Pool zu springen‘. Sie gab nur leise Töne von sich. Alex soll schnell die Nabelschnur durchtrennen. Dann wird unsere Tochter mitgenommen. Sie bekommt kurz eine Sauerstoffmaske aufgesetzt, da sie wohl viel Fruchtwasser geschluckt hatte. Ich sage zu Alex „ihr geht es gut“! Da kommt die Hebamme mit unserer Tochter auch schon wieder ins Zimmer. Sie wird mir auf die Brust gelegt und wir bestaunten unser großes Wunder. Mir wird ein Mittel gegeben, damit sich die Plazenter schneller löst. Die Nachgeburt war komplett schmerzfrei. Wir bestaunten weiter unsere Tochter. Die Ärztin suchte in der Zwischenzeit nach der Ursache für meine doch ziemlich starke Blutung. Ich hatte das Gefühl, dass sie sehr gründlich dabei war. Dann wurde noch genäht. Zuvor gab es eine Betäubung, wofür ich sehr dankbar war. Nach einer Zeit merkte ich ein ziepen und fragte wie viel noch genährt werden müsste. Die Ärztin teilte mir mit, bei der letzten Schicht zu sein. Letzte Schicht? Ich dachte da wäre nur ein dünnes Häutchen. 3 Schichten wurden genäht – war mir aber total egal in dem Moment. Ca 45 Minuten nach der Geburt wurden wir in einen Nebenraum geschoben. Dort verbrachten wir weitere 2 Stunden zu dritt. Die Hebamme half mir beim ersten Anlegen. Danach wurde ich aufs Zimmer geschoben und Alex musste leider nach Hause. Die erste Nacht verbrachte ich nur damit unserer Tochter zu bestaunen. Sonntag Nachmittag wurde sie geboren & Dienstag morgen sind wir nach Hause gefahren ♥️

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